„Start-up HR“ – Interview mit Kajetan Uhlig von Userlane, dem „Navigationssystem“, das Nutzer Schritt für Schritt durch neue Software führt

HR-Start-ups bringen derzeit viel frischen Wind in die Personal-Szene. In dieser Interviewreihe werden einige innovative Lösungen vorgestellt, die dafür sorgen sollen, dass die Personalarbeit in Zeiten der Digitalisierung noch einfacher, effektiver und effizienter wird. In meiner Interviewreihe „Start-up HR“ spreche ich heute mit Kajetan Uhlig von Userlane, dem „Navigationssystem“, das Nutzer Schritt für Schritt durch eine neue Software führt und damit Zufriedenheit und Produktivität der Mitarbeiter steigert.

Was ist die Idee hinter Eurem Start-up und was war Eure ganz persönliche Motivation, mit der Ihr das Unternehmen (mit-)gegründet habt?

Heute kommt kein Auto ohne integriertes Navigationssystem aus. Wir übertragen das gleiche Prinzip auf Software, mit einer Technologie, die den Nutzer direkt in der Anwendung durch Prozesse führt – Schritt für Schritt und in Echtzeit.

Die Idee zu Userlane entstand bei einem Roadtrip mit meinen beiden Mitgründern, als wir uns hoffnungslos in den Bergen verirrten. Mit dem letzten bisschen Smartphone-Akku konnten wir das Navigationssystem starten und uns sicher ans Ziel lotsen lassen. Das Roadtrip-Szenario lässt sich eins zu eins auf Software übertragen: Ein Navi zeigt uns, wo wir abbiegen müssen und wir zeigen dem Anwender direkt in der Software, wo er als nächstes klicken muss. Auch das Problem ist das gleiche: Alle Straßen haben einen Namen und sind gut ausgeschildert. Aber das allein hilft uns nicht, ans Ziel zu kommen. Genauso hat  jeder Button in einer Software ein Label oder eine Beschreibung. Aber das hilft uns nicht, ans Ende eines langen Klickpfades zu gelangen.


Nutzer werden ohne Einarbeitungszeit oder Schulung Schritt für Schritt durch eine neue Software geführt


Um das Problem zu lösen, haben wir eine Technologie entwickelt, mit der man sogenannte interaktive Guides (Schritt-für-Schritt-Anleitungen) in jede browserbasierte Software integrieren kann. Die Guides führen die Nutzer live in der Anwendung durch sämtliche Prozesse. Alle nicht relevanten Bildschirm-Elemente werden derweil ausgeblendet. So lässt sich jede Art von Software ohne Vorkenntnisse auf einem hohen Niveau bedienen – ohne Einarbeitungszeit oder Schulung. Dazu stellen wir unseren Kunden einen Editor zur Verfügung, mit dem sie eigene interaktive Guides ohne Programmierkenntnisse erstellen und in jeder browserbasierte Anwendung nutzen können.

Die größte Motivation für unser Team ist es, die Zukunft des Lernens sowie den Arbeitsplatz der Zukunft gestalten zu können. Denn ob wir wollen oder nicht: Sowohl unser Alltag als auch unser Berufsleben sind zunehmend digital geprägt. Wem die nötigen Software-Kenntnisse fehlen, kann von vielen Vorteilen der Informationsgesellschaft nicht profitieren und wird irgendwann an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Unternehmen müssen dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter souverän mit digitalen Geräten und Anwendungen umgehen können. Dabei wird die Einstellung von Experten, die alle nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten bereits mitbringen, immer mehr zur Utopie. Vielmehr geht es darum, Mitarbeiter kontinuierlich weiterzubilden. Unsere Vision ist daher, dass jeder Mensch jede Software bedienen kann und das ganz ohne Vorkenntnisse.

Heutzutage kommt kein Auto ohne Navigationssystem aus. Genauso soll es in Zukunft keine Software mehr geben, die ohne integrierte Navigation ausgeliefert wird. Mittlerweile sind wir unserem Ziel ein Stück näher gekommen: Aktuell werden mehr als 7 Millionen Menschen weltweit mit unserer Technologie geschult.

Welchen konkreten „Need“ Eurer Kunden sprecht Ihr an und welchen strategischen und/oder operativen Mehrwert bietet Ihr Euren Kunden?

Wir unterstützen unsere Kunden bei der Automatisierung aller Prozesse rund um Mitarbeiterschulungen und Onboarding.

Oftmals stellen Software-Einführungen selbst für kleine und mittelständische Unternehmen eine Herausforderung dar, da Schulungen teuer und zeitaufwendig sind. Mitarbeiter müssen in Kleingruppen geschult werden und können in der Trainingszeit nicht zum Tagesgeschäft beitragen. Hinzu kommt, dass jede Software-Oberfläche mit der Zunahme an Funktionen unübersichtlich und damit weniger nutzerfreundlich wird. Das Problem besteht besonders bei Enterprise-Software, die komplexe Strukturen und Geschäftsprozesse abbildet. Auf der Anwenderseite werden Menschen mit einer unüberschaubaren Masse an Software-Lösungen konfrontiert. Oftmals fühlen sie sich dabei überfordert und alleine gelassen. Gerade für Quereinsteiger, Senioren, Menschen aus anderen Kulturen oder mit besonderen Bedürfnissen stellt jede neue Software keine Lösung, sondern eine weitere Hürde dar.


Oftmals stellt die neu eingeführte Software für den Nutzer keine Lösung, sondern eine weitere Hürde dar


Genauso wie ein Navigationssystem im Auto uns viel Zeit und Geduld erspart, spart Userlane nicht nur Schulungskosten ein, sondern schafft auch mehr Zufriedenheit bei Mitarbeitern und Betriebsräten. Im Rahmen einer diesjährigen Studie mit der Deutschen Bahn konnte diese Hypothese belegt werden: Die Produktivität der Mitarbeiter stieg durch den Einsatz interaktiver Guides um 400%.

Mit Userlane kann eine unbegrenzte Anzahl von Mitarbeitern – egal ob 100 oder 100.000 – automatisiert und vor Ort geschult werden. Unternehmen können Onboarding- und Schulungskosten erheblich reduzieren, Software-Anwender effizienter schulen und qualifizierte Mitarbeiter unabhängig von Software-Kenntnissen einstellen. So profitiert jeder von der Digitalisierung.

Was genau unterscheidet Euch von anderen Anbietern auf dem Markt?

Aktuell werden Software-Kenntnisse in Unternehmen meist mithilfe von Handbüchern, Video-Tutorials oder Präsenzschulungen vermittelt. Der Nachteil: „Learning“ und „Doing“ sind klar voneinander getrennt. Nutzer müssen die Arbeit unterbrechen, um ein Seminar zu besuchen oder ein Video anzusehen. Anschließend müssen sie das Gelernte in der Software „nachstellen“. Ein weiteres Problem: Handbücher und Videos veralten mit jeder Änderung der Benutzeroberfläche.


Durch interaktive Hilfestellung laufen „Learning“ und „Doing“ für den Software-Anwender gleichzeitig ab


Im Gegensatz dazu wird Userlane direkt in die jeweilige Software integriert. Nutzer erhalten interaktive Hilfestellung, während sie bereits mit der Anwendung arbeiten. Dadurch sind sie in der Lage, neue Software ohne Training zu bedienen. Mit Userlane laufen „Learning“ und „Doing“ also gleichzeitig ab. Das erspart den Nutzern Stress und Unsicherheit bei der Bedienung, da Fehlklicks ausgeschlossen sind.

5bdc4ee8125f0b5f7219e9b0_tamigo.png

Was sind in der Praxis konkrete Einsatzzwecke/Use Cases für Euer Produkt? Kannst Du dazu eine kurze Success Story beschreiben?

Unsere Lösung richtet sich an zwei Zielgruppen: Softwarehersteller, die ihr Produkt nutzerfreundlicher machen wollen und Unternehmen, die ihre Mitarbeiter in Software schulen müssen. Beide Gruppen sind stark davon abhängig, wie gut die Anwender eine Software verstehen. Testnutzer, die eine Software nicht auf Anhieb verstehen und erfolgreich einsetzen können, werden nicht zu zahlenden Kunden. Finden sich die Mitarbeiter in einem Programm nicht zurecht, können sie nicht produktiv damit arbeiten und fühlen sich zurecht demotiviert.

Die Anwendungsfelder von Userlane reichen von Schulung, Onboarding, Change Management, Automatisierung von Support und Kundenanfragen (intern & extern) hin zur Verbesserung der User Experience und des Knowledge Managements. Letztlich kommen wir überall dort zur Anwendung, wo Menschen Software nutzen. Ein Beispiel: Bei der Allianz sollte die Belegschaft  im Umgang mit dem neuen Intranet geschult werden. Die Herausforderung bestand darin, 1.600 Mitarbeiter an verschiedenen Standorten und mit unterschiedlichem Wissensstand gleichzeitig zu schulen. Das Projekt dauerte zwei Wochen, inklusive Kick-off, Implementierung und Testphase. Innerhalb dieser Zeit hatten alle Mitarbeiter gelernt, das neue Intranet effektiv zu nutzen. Das Projekt verlief erfolgreich und ein Nachfolgeprojekt, diesmal mit 46.000 Mitarbeitern ist geplant.

Welche Voraussetzungen muss ich als Unternehmen schaffen, um Euer Produkt/Eure Leistung gezielt einsetzen zu können? Welche Fallstricke lauern Deiner Erfahrung nach in der Praxis und wie können diese gelöst werden?

Ein gängiger Fallstrick bei Software-Einführungen ist der Widerstand gegenüber Änderungen gewohnter Arbeitsabläufe. Die Mitarbeiter werden unter Druck gesetzt, sich neben dem Tagesgeschäft in ein neues Tool einzuarbeiten und sind dementsprechend frustriert.

Hier gilt es für Vorgesetzte und Personaler: Klar herausstellen, welche Vorteile die neue Software für den Endnutzer hat (anstatt nur die Vorteile für das Unternehmen zu betonen) und die Umstellung auf neue Prozesse so bequem wie möglich gestalten. Erste motivierende Erfolgserlebnisse sollen möglichst schnell eintreten, zum Beispiel in Form von reduzierter Arbeitsbelastung, gesparter Zeit oder einer Belohnung für die Kooperation.

Links zum Weiterlesen


Über Kajetan Uhlig

uhligKajetan Uhlig ist einer der drei Mitbegründer und Geschäftsführer der Userlane GmbH. Mit akademischem Hintergrund in Psychologie und Rechtswissenschaften betreut er seit über 7 Jahren internationale Marken in Customer Experience und E-Learning. Bei Userlane ist er verantwortlich für Produktmanagement, User Experience und Marketing.

Homepage: www.userlane.com | Twitter: @UserlaneHQ


Quelle des Artikelbilds: Userlane

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: