„Start-up HR“ – Interview mit Ferry Nesenhöner von innocado über Innovationsförderung und Kulturentwicklung durch Vernetzung

HR-Start-ups bringen derzeit viel frischen Wind in die Personal-Szene. In dieser Interviewreihe werden einige innovative Lösungen vorgestellt, die dafür sorgen sollen, dass die Personalarbeit in Zeiten der Digitalisierung noch einfacher, effektiver und effizienter wird. In meiner Interviewreihe „Start-up HR“ spreche ich heute mit Ferry Nesenhöner von innocado. innocado bietet Unternehmen eine interne Vernetzungsplattform auf der Mitarbeiter, mit sich ergänzenden Kompetenzen und Erfahrungen, zusammengebracht werden, um gemeinsam Innovationen oder Herausforderungen anzugehen.

Was ist die Idee hinter Eurem Start-up und was war Eure ganz persönliche Motivation, mit der Ihr das Unternehmen (mit-)gegründet habt?

Wir möchten die Art und Weise verändern, wie Großunternehmen ihre Mitarbeiter vernetzen und aktiv in Innovationsprozesse integrieren. Dafür entwickeln wir eine unternehmensinterne Vernetzungsplattform auf der Mitarbeiter mit sich ergänzenden Kompetenzen und Erfahrungen zusammengebracht werden, um gemeinsam Innovationen oder Herausforderungen anzugehen. Dabei ist nicht nur entscheidend, dass sich die Kolleginnen und Kollegen in ihren Fähigkeiten ergänzen, sondern dass sie auch für das Thema, das sie zusammen angehen, brennen. Um das zu erreichen, haben wir auf Basis von eigenen und weiteren wissenschaftlichen Arbeiten einen Matching-Algorithmus entwickelt, der neben Fachrichtung und Projekterfahrungen auch sogenannte Arbeitspräferenzprofile berücksichtigt. Zudem wird das System mit jedem stattgefundenen Match bei unseren Kunden dazulernen, welche Art von Mitarbeitern am besten zu welchen Themen passen. Diese Erkenntnisse können wir dann wieder zurück an unsere Kunden geben.

Persönlich habe ich mich früh mit der Fragestellung beschäftigt, wie Organisationsstrukturen großer Unternehmen verändert werden müssen, um den neuen Anforderungen des Marktes und der Arbeitnehmer gerecht zu werden. Dabei ist für mich insbesondere die Wertschätzung der Mitarbeiter und die Entfaltung des Mitarbeiterpotentials von großer Bedeutung. Nach einigen Jahren im Umfeld großer deutscher Konzerne habe ich mich dazu entschlossen, das Problem mit einer eigenen Lösung anzugehen. Dabei hatte ich das Glück, dass meine beiden Mitgründer Paul und Lorenz meine Vorstellungen moderner Arbeit teilen.

Welchen konkreten „Need“ Eurer Kunden sprecht Ihr an und welchen strategischen und/oder operativen Mehrwert bietet Ihr Euren Kunden?

Wir adressieren mit innocado im Prinzip zwei grundlegende Probleme großer Unternehmen. Aus Mitarbeitersicht werden große Unternehmen zunehmend zu unattraktiven Arbeitgebern, da sie sich schnell isoliert fühlen und sich ihr eigener Beitrag am Unternehmenserfolg häufig nur auf das Abarbeiten ihrer Aufgaben in der Linie beschränkt. Konzerne und konventionelle Unternehmen haben zum Teil großen Aufholbedarf im Bezug auf ihre Unternehmenskultur und müssen ihre Mitarbeiter insbesondere bei der Gestaltung der Zukunft ihres Unternehmens mehr einbinden.


Konzerne haben einen Vorteil gegenüber Start-ups: Sie besitzen das x-fache an Wissen und Perspektiven


Aus Managementsicht wird es immer wichtiger, die Mitarbeiter gemäß ihrer Kompetenzen und Motivation passend im Unternehmen einzusetzen. Routineaufgaben werden durch die Digitalisierung zunehmend weniger und komplexe Aufgabenstellungen, bei denen die Vernetzung von Wissen essentiell ist, werden mehr. Konzerne haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber agilen Start-ups: Sie haben das x-fache an Wissen und Perspektiven in ihrer Belegschaft. Es wird Zeit, dieses Wissen zielgerichtet einzusetzen und zu verknüpfen.

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Konkret lassen sich durch innocado direkte Mehrwerte im Innovationsprozess, dem Wissenstransfer oder dem Onboarding ableiten. innocado hilft Unternehmen immer dann, wenn abteilungsübergreifende Zusammenarbeit und die Verknüpfung von Wissen wichtig ist. Zudem wollen wir Unternehmen dabei helfen, einen weiteren Schritt in Richtung einer selbstorganisierten und modernen Unternehmenskultur zu gehen und Mitarbeitern einen essentielle Platz in der digitalen Transformation zu geben.

Was genau unterscheidet Euch von anderen Anbietern auf dem Markt?

Wir haben die Vernetzung von Mitarbeitern neu gedacht. Uns begeistern neue Methoden wie Working Out Loud oder Design Thinking. Jedoch sind diese mit viel Zeitaufwand für die Mitarbeiter verbunden und Workshop-Formate leider zu unregelmäßig, um alle Mitarbeiter einzubinden und den Gedanken interdisziplinärer Arbeit wirklich in den Arbeitsalltag zu bringen.


Wir bringen Mitarbeiter abteilungsübergreifend und systematisch in „interdisziplinäre Gesprächstandems“


Über innocado können daher die Mitarbeiter selbst entscheiden, wann und zu welchem Thema sie sich treffen wollen. Der intelligente Matching Algorithmus stellt dann sicher, dass die „passenden“ Gesprächspartner zu Stande kommen. Selbstverständlich soll es ein gesundes Verhältnis aus zufälligen und zielgerichteten „Matches“ geben, damit der Vernetzungsgedanke im Vordergrund steht. Wir machen uns dabei eine digitale Plattform zu Nutze, um Mitarbeiter abteilungsübergreifend und systematisch in „interdisziplinäre Gesprächstandems“ zu bringen. Wir wollen die Gedanken interdisziplinärer Zusammenarbeit (Design Thinking) und bewusster Gespräche zu gemeinsamen Themeninteressen (WOL) der gesamten Belegschaft zugänglich machen.

Was sind in der Praxis konkrete Einsatzzwecke/Use Cases für Euer Produkt? Kannst Du dazu eine kurze Success Story beschreiben?

Uns gibt es seit Dezember 2017. Die letzten 10 Monate haben wir zur Entwicklung unseres Prototyps und zur Validierung unseres Konzepts durch Untersuchungen und Analysen bei großen Unternehmen genutzt. Die erste Test-Phase startete im Juni 2018 im Hafven (Co-Working Space/Innovation Hub in Hannover). Diese haben wir insbesondere dazu genutzt, die Usability und die generelle User Experience unserer Plattform zu verbessern.

Jetzt beginnt die wirklich spannende Zeit: die Test-Phase bei unseren Pilotierungsunternehmen. Das wirklich Interessante ist, dass alle drei Pilotunternehmen unterschiedliche Use-Cases für sich erkannt haben. Die NORD/LB setzt die Plattform im Innovationsprozess, konkret in der Ideenfindungs- und Ideenreifungsphase, ein. Unsere zwei weiteren Pilotunternehmen verwenden die Plattform verstärkt im Wissensaustausch und im Onboarding-Prozess.

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Alle drei Unternehmen haben jedoch erkannt, dass innocado ihnen bei ihrem Kulturwandel helfen kann, Mitarbeiter zu integrieren und wichtige Beziehung im Unternehmen aufzubauen.

Welche Voraussetzungen muss ich als Unternehmen schaffen, um Euer Produkt/Eure Leistung gezielt einsetzen zu können? Welche Fallstricke lauern Deiner Erfahrung nach in der Praxis und wie können diese gelöst werden?

Für die erfolgreiche Einführung einer Vernetzungs- bzw. Innovationsplattform ist das Commitment des Managements die wichtigste Voraussetzung. Führungskräfte müssen den Mitarbeitern die Möglichkeit geben, sich auch an abteilungsfremden Themen beteiligen zu dürfen. innocado funktioniert unseres Erachtens am besten, wenn es vom Management als Teil eines Kulturwandels angesehen wird.

Problematisch wird es, wenn innocado nur als Personal- oder nur als Innovationsthema angesehen wird. Bei unseren bisherigen Piloten wird die Einführung von innocado von Mitarbeitern aus Personal, Strategie, Digitalisierung und Geschäftsführung begleitet. Ein Produkt, das auf die Vernetzung von Mitarbeitern abzielt, sollte auch von Kollegen mit unterschiedlichen Perspektiven eingeführt werden.

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Über Ferry Nesenhöner

nesenhoenerFerry Nesenhöner ist Mitgründer und Geschäftsführer von innocado. Der studierte Wirtschaftspsychologe mit einem Masterabschluss der Heriot-Watt University (Edinburgh) beschäftigte sich bereits während seiner Bachelor- und Masterthesis sowie in den ersten Berufsjahren mit dem Menschen im Mittelpunkt der digitalen Organisation. Insbesondere mit der Frage, wie sich Mitarbeiter/-innen besser in Wissensmanagement- und Innovationsprozesse großer Unternehmen einbringen können. Gemeinsam mit einem kleinen Team arbeitet er seit Anfang 2018 daran, großen Unternehmen dabei zu helfen, moderne Arbeitsstrukturen flächendeckend einzuführen ohne dabei die komplette Organisation verändern zu müssen.

Homepage: www.innocado.de | Twitter: @innocado


Quelle des Artikelbilds: innocado

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